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08. April 2026


Osterwanderung von Seefeld (584 m) zum „Heiligen Berg“ Andechs (700 m),
mit Hermann Hübel

Zwei sehr unterschiedliche, geschichtsträchtige Hotspots gibt es auf der Wanderung von Seefeld entlang eines Höhenrückens nach Andechs:
Schloss Seefeld ist seit Mitte des 15. Jahrhunderts im Familienbesitz der Grafen Toerring-Jettenbach. Auf der Homepage des Schlosses heißt es: „In den zurückliegenden 500 Jahren fiel der Familie die vornehme Aufgabe zu, die Region zwischen Pilsen- und Wörthsee kulturell und wirtschaftlich zu prägen“. Ein Spross der bayerischen Adelsfamilie Ignaz Felix Graf von Törring-Jettenbach erbaut 1754 das Toerring-Palais am Münchner Max-Josef-Platz. Im Besitz der Familie befinden sich heute ausgedehnte Ländereien mit Land- und Forstwirtschaft, neben Seefeld in Pertenstein, Jettenbach, Pörnbach, Winhöring und in Washington/USA. Gegenwärtiger Familienchef ist Ignaz Graf zu Toerring-Jettenbach.
Eine wechselhaftere Geschichte dagegen erlebt das auf einen 700 Meter hohen Felsen 8 Kilometer südlich gelegene Andechs.
Bis ins 13. Jahrhundert ist es Burg und Stammsitz der Grafen von Andechs. Sie sind 1208 in den „Bamberger Königsmord“ verwickelt und obwohl sie von der Mordanklage freigesprochen werden, fällt ein Großteil ihrer Besitzungen an die Wittelsbacher. Otto I. hat erst 28 Jahre vorher von Kaiser Friedrich Barbarossa das Herzogtum Bayern erhalten. Mitte des 13. Jahrhunderts stirbt das Andechser Grafengeschlecht aus, die Burg wird zerstört, nur die Burgkapelle bleibt bestehen.
Die Stiftung des Klosters auf dem Berg erfolgt 200 Jahre später durch den Wittelsbacher Herzog Albrecht III., auch der Fromme genannt, der eine längere Affäre mit der 20jährigen Agnes Bernauer, Tochter eines Augsburger Badermeisters, hatte. Benediktiner Mönchen bauen eine weit sichtbare Klosteranlage auf den Resten der Burg. Reformation und Dreißigjähriger Krieg setzen dem Kloster zu, trotzdem kann es 1755 das 300jährige Gründungsfest feiern. Dazu wird die spätgotische Klosterkirche von Johann Baptist Zimmermann im damals modernen Stil des Rokokos umgestaltet. Nach 448 Jahren wird das Kloster im Rahmen der Säkularisation aufgelöst.
Die 1850 neu gegründete Benediktinerabtei Sankt Bonifaz in München braucht eine Einnahmequelle. Der Wittelsbacher König Ludwig I. kauft Andechs für 65.000 Gulden und überschreibt es der Abtei als Wirtschaftsgut zur Sicherung des Lebensunterhalts. Den aktuellen Abt von Sankt Bonifaz, Johannes Eckert, wählt der Konvent 2003.



Hermann  




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